Reittherapie
Grundsätzliches Ziel unserer „Arbeit mit Pferden“ ist es, bei unseren Heimbewohnern positive Veränderungen anzuregen, Minderwertigkeitskomplexe abzubauen, zusätzlichen Lebensmut zu geben und Selbstvertrauen zu schenken. Der Reitunterricht wird von einer ausgebildeten Reitlehrerin durchgeführt.
Bei unserer Arbeit mit Pferden verwenden wir keine gezielte Reittherapie wie sie vorwiegend bei Körperbehinderten eingesetzt wird, sondern wir sehen den normalen Reitunterricht, der bei uns von einer ausgebildeten Reitlehrerin durchgeführt wird, als therapeutische Maßnahme in folgendem Sinn:
Beziehungsaufbau:
Menschen aus sozialen Randgruppen haben oft so selten die Möglichkeit gehabt, vernünftige und positive Beziehungen aufzubauen, das sie dies letztlich diesen Beziehungsaufbau weder gelernt haben, noch überhaupt probieren. Zu Tieren einen Kontakt aufzubauen, sind diese Menschen eher bereit, da sie im Umgang mit Tieren keine schlechten Erfahrungen gemacht haben. So kann ein Kontakt zu diesen Menschen oft nur über den gemeinsamen “Partner” Pferd aufgenommen werden.
Förderung von Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit:
Menschen aus sozialen Randgruppen haben oft die Erfahrung gemacht, dass ‘die anderen’ mehr können, durchsetzungsfähiger sind, selbstbewusster sind. Bei der Arbeit mit dem Pferd erkennen diese Menschen, dass sie in der Lage sind, ein Lebewesen zu beherrschen, das zunächst größer und stärker ist. Gleichzeitig lernen sie aber auch, dass sie diese “Führungsqualitäten” erst erlernen müssen, d.h. sie lernen, dass Können und Durchsetzungsfähigkeit nicht ‘vom Himmel fallen’, sondern mit Lernen und Selbstdisziplin zu tun hat.
Schulung des kooperativen Miteinanders:
Ein Pferd kann der großen Körperkraft wegen nicht herumgestoßen werden und dem absoluten Willen des Menschen unterworfen werden wie ein (kleineres) Haustier. Arbeit mit dem Pferd geht nur im gemeinsamen Miteinander, d.h. die momentane Gefühlssituation des Pferdes muss berücksichtigt werden man kann nicht nur nach eigener Laune und Lustprinzip den Partner Pferd beherrschen.
Hinführung zu Pflichten und Arbeit:
Reiten und Pferdepflege/Stallarbeit gehören (zumindest in Salem) zusammen. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Da diese Arbeit unmittelbar dem Partner Pferd zugute kommt, kann hier gelernt werden, dass neben Spaß und Freude auch immer Pflicht und Arbeit stehen muss.
Soziale Integration:
Reiten ist ein Sport, der nicht primär besondere körperliche Fähigkeiten oder Vorraussetzungen verlangt. Reiten können Alte und Junge, sportliche und weniger sportliche gemeinsam. Reiten ist also ein Sport, der nicht selektiert, sondern die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen kann. Insbesondere ist es für Menschen aus sozialen Randgruppen eine Möglichkeit, aus der sozialen Isolierung herauszukommen.
Diese integrative Wirkung verstärken wir noch dadurch, dass wir Reitunterricht auch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus der Umgebung anbieten und den Reitunterricht, soweit vom Leistungsstand her sinnvoll, in gemischten Gruppen von Heimbewohnern und Personen von außerhalb geben. Dadurch ergeben sich vielfältige Kontakte zwischen unseren Heimbewohnern und der Bevölkerung, wobei in jedem Fall die Liebe zum Pferd ein verbindendes Element darstellt.
Für Pferdeliebhaber, die aus Raum- und Zeitgründen nicht in der Lage sind, ihr eigenes Tier selbst zu versorgen, nehmen wir Pferde in unserem Stall auf und versorgen diese. Auch dadurch ergeben sich vielfältige Kontakte zu den verschiedensten Menschen.
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